Aschenputtel, Aschenbrödel, Cinderella

Aschenputtel Aschenbrödel Cinderella Modeblog fairy tale gone realistic

An dieser Stelle möchte ich mal ein paar Worte zum Titel meines Blogs loswerden. Sicher hat schon  die eine oder der andere den Kopf geschüttelt oder die Stirn in Falten gelegt beim Lesen von "FAIRY TALE GONE REALISTIC."  Ist das ein Rechtschreibfehler? Heißt das nicht "Fairy tale gone real"? Hat die im Englischunterricht nicht aufgepasst?

 

Nein, ich meine es wirklich so! Und was ich damit meine, ist folgendes: Viele wünschen sich, dass Märchen Wirklichkeit werden, dass der Traumprinz auf einem weißen Pferd anreitet und die Prinzessin in sein Schloss holt und sie leben glücklich bis ans Ende aller Tage.

 

Sind wir mal realistisch: Märchen können wahr werden! Allerdings müssen wir dafür anfangen, Märchen anders zu sehen. Wir sollten sie nicht als konkreten Plan betrachten, eher als Rahmen für unsere eigenen Geschichten. Der Traumprinz kann genauso gut ein sympathischer Typ sein, den wir auf einer Party treffen oder im Supermarkt. Vielleicht erleben Prinz und Prinzessin viele schöne Dates und beschließen, ein Paar zu werden. Hier enden die meisten Märchen - in der Realität ist das allerdings erst der Anfang einer Beziehung. Vielleicht erreichen wir irgendwann die berufliche Karriere, die wir uns wünschen. Es erfordert Arbeit, solche Märchen wahr werden zu lassen, aber es ist möglich!

Zwei Zitate zum Thema Happy End schwirren schon lange in meinen Gedanken herum. Das erste ist von Oscar Wilde und lautet: "Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende." Dieser Spruch zeugt von einer großen Hoffnung und die musste Wilde auch haben. Als einer der bekanntesten Autoren des viktorianischen Englands war er geschätzt, als Homosexueller war er geächtet und wurde zu Zuchthaus und Zwangsarbeit verurteilt. Das zweite Zitat stammt aus dem Film "Das letzte Einhorn", den ihr sicher alle schon gesehen habt. Ich liebe diesen Film seit ich klein war! Das Zitat lautet: "Es gibt nie ein glückliches Ende, denn es endet nichts." Das erscheint sehr plausibel, wenn man bedenkt, dass Einhörner - wenn es nach dem Film geht - ewig leben. Ich finde, dieses Zitat beschreibt auch unsere Realität sehr gut. Das Märchen endet mit der Hochzeit von Prinz und Prinzessin, aber wie gesagt endet unser aller Geschichte nicht mit einem eingefrorenen Zustand des Glücks, der bis in alle Ewigkeit andauert. Wir müssen immer wieder in unser Glück investieren, Zeit, Energie, Gefühle,... - damit meine ich nicht, dass die Wirklichkeit schlechter ist, als das Märchen! Im Gegenteil! Im Märchen ist der Weg einer jeden Figur vorgezeichnet und unabänderlich, wir allerdings können unseren Lebensweg selbst beeinflussen! Das gilt für alles im Leben: Liebe, Freundschaft, Beruf, Hobbies,...

FAIRY TALE GONE REALISTIC bedeutet, dass Märchen sehr wohl wahr werden können. Wir müssen nur die Perspektive verändern und brauchen ein bisschen Fantasie. Lasst uns realistisch sein: Vielleicht leben wir bereits in unserem ganz eigenen Märchen oder wir können unser Leben zu unserem eigenen Märchen machen!

 

Ihr denkt jetzt sicher, ich mag keine Märchen - aber das stimmt nicht. Ich liebe Märchen! Sie lassen so schön viel Raum für Interpretation! Deshalb zeige ich euch heute meine ganz persönliche Version von Aschenputtel, Aschenbrödel, Cinderella oder wie ihr sie auch immer nennen wollt.  Auf den Bildern seht ihr meine Interpretation aus viel Tüll, Abdeckfolie und einigem mehr.

Die Geschichte sollte bekannt sein: ein Mädchen verliert seine Mutter, der Vater heiratet eine selbstsüchtige Frau mit einer oder wahlweise zwei Töchtern. Die Hauptfigur hat nun eine Stiefmutter und Stiefschwester(n), die sie unterdrücken. Auch zum königlichen Ball zu gehen, wird ihr verboten. Dank magischer Unterstützung durch die verstorbene Mutter oder eine gute Fee gelangt das Mädchen doch auf den Ball, ist die Schönste im Raum und gewinnt das Herz des Prinzen. Als die um Mitternacht fluchtartig die Party verlässt, verliert sie einen Schuh. Mit Hilfe dieses Schuhs findet der Prinz seine Auserwählte und sie heiraten. Soviel zum Rahmen.

Für die Interpretation ziehe ich Werke des Literaturwissenschaftlers Max Lüthi zu Rate, der als einer der wichtigsten Wissenschaftler gilt, wenn es um Märchen geht. Einen weiteren Anhaltspunkt für meine Interpretation stellt der Sammelband "Von der Wirklichkeit des Volksmärchens" des Herausgebers Jürgen Janning dar. Zum einen ist der Tod der Mutter ein schwerer Schlag für Aschenputtel, der eine tiefe psychische Krise verursacht, andererseits scheint Aschenputtel "auch an einem Minderwertigkeitskomplex zu leiden, widerspruchslos lässt sie sich in die Küche verdrängen und zur hässlichen Dienstmagd machen" (Janning, S. 136). Die Märchenfigur hat es also gar nicht so leicht, sie quälen nicht nur märchenhafte Probleme, sondern auch Selbstzweifel - wie das bei uns allen der Fall ist! Für diesen Persönlichkeitsanteil des Aschenputtels steht das Überkleid aus blauer Abdeckfolie. Mit ein bisschen Fantasie erinnert es an einen Sack oder an Lumpen, die die Märchenfigur als Dienerin tragen muss. Erst bei der Frage "Ball oder nicht Ball?", legt Cinderella ihre Lethargie ab und "tritt [...] aus der Rolle der stummen Dienstmagd heraus, sie wagt, ihre Wünsche anzumelden: auch Aschenputtel will zum Fest" (Janning, S. 137). Von einem realistischen Standpunkt aus betrachtet, ist dieses erste Anzeichen eines selbstbewussten Bestrebens, der Startschuss für die Überwindung von Problemen aller Art. "Das Wieder-Erwachen von Wünschen ist oft der erste Schritt zurück ins Leben nach [...] Trauerkrisen" (Janning, S. 137). Genau diesen Moment wollte ich in meinem Kleid festhalten. Der Minderwertigkeitskomplex beginnt zu weichen und so kann aus dem armen Aschenputtel in Lumpen eine Prinzessin im wallenden Ballkleid werden. Der bauschige Rock sprengt die sackartige Hülle von innen. Da allerdings die Trauer um die verstorbene Mutter und Aschenputtels Vergangenheit als Dienstmagd noch lange nicht vergessen sind, und für immer ein Teil ihrer Persönlichkeit bleiben werden, ist das Ballkleid schwarz. Das Kleid steht für Aschenputtels Ausbruch aus ihrem teils selbstgeschaffenen, teils fremdbestimmten Gefängnis. Es symbolisiert Hoffnung, macht aber das Vergangene nicht ungeschehen oder unwichtig.

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Kommentare: 9
  • #1

    Mamasanne (Freitag, 01 Januar 2016 10:11)

    DANKE!
    Deine Worte waren heute morgen wie Palsam für mich.

  • #2

    Simone (Freitag, 01 Januar 2016 20:22)

    WOW.
    Ich bin beeindruckt.

  • #3

    FAIRY TALE GONE REALISTIC (Samstag, 02 Januar 2016 18:09)

    Danke ihr zwei =) lieb von euch

  • #4

    styleofblonde (Samstag, 02 Januar 2016 18:41)

    Was für ein tolles Outfit. Das sieht richtig Hammer aus :) Ich liebe deinen Rock :)
    Liebe Grüße,
    Verena :)

  • #5

    fashiontipp (Samstag, 02 Januar 2016 19:00)

    "Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende."-ein schönes Zitat <3
    Liebe Grüße,
    Marina
    http://fashiontipp.com

  • #6

    liebe was ist (Samstag, 02 Januar 2016 20:06)

    wie schön deine Gedanken hier zusammengefasst hast und ich kann dir nur beipflichten, dass wir unsere Geschichte selber in der Hand haben. wir haben immer eine Wahl - folgen wir der Brotkrumen-Spur oder gehen wir unseren eigenen Weg ...

    Wünsche und Träume können in Erfüllung gehen, wenn wir auch etwas dafür tun :)

    ich liebe Oscar Wildes Zitat sehr!

    <3 Tina
    https://liebewasist.wordpress.com/

  • #7

    FAIRY TALE GONE REALISTIC (Samstag, 02 Januar 2016 22:00)

    Die Metapher mit den Brotkrumen trifft es sehr gut auf den Punkt! Freut mich, wenn dir der Beitrag gefällt, Tina =)

  • #8

    Kristina Dinges (Sonntag, 03 Januar 2016 21:02)

    Was für ein toller Post. Um Träume zu erreichen muss man nun mal hart arbeiten.

    Liebe Grüße Kristina von <a href="http://www.kdsecret.com/">KDSecret</a>

    PS: Momentan gibt es auf meinem <a href="http://www.kdsecret.com/christmas-giveaway-caseapp/">Blog</a> eine personalisierte Handyhülle zu gewinnen.

  • #9

    Bianca (Montag, 11 Juli 2016 18:40)

    Toller Post. Wir sollten alle wieder ein wenig an Märchen glauben und unsere Phantasie der Kindheit herbeirufen. LG Bianca von www.stilfrage.net