Unverbindlichkeit in Zeiten von WhatsApp und Co

Jeder hat das schon erlebt: Du verabredest dich mit Freunden, du bist der Meinung, das Treffen wäre fest eingeplant. Du freust dich auf eine Veranstaltung, aufs Essengehen oder auf einen gemütlichen Abend in der Gruppe, und dann passiert kurze Zeit vor der Verabredung etwas - das Handy vibriert! "Mir geht's nicht so gut. Das wird heute nichts." oder "Ich hab doch keine Lust heute." oder "Hatte ganz vergessen, ich muss noch ein Referat vorbereiten." Und da stehst du dann, herausgeputzt, mit Stiefeln und Mantel und bist enttäuscht. Alleine weggehen ist auch irgendwie blöd. Also bleibst du zu Hause, grübelst, liest, siehst fern - ein Abend, wie du ihn eigentlich nicht verbringen wolltest.

 

Das kurzfristige Absagen ist anscheinend Mode geworden. Eine kleine Nachricht oder eine SMS genügt, es ist nicht einmal nötig, den anderen persönlich zu sprechen - am Telefon zum Beispiel - und sich mit seiner Enttäuschung zu konfrontieren. Nein, wir haben nicht einmal ein schlechtes Gewissen, wir haben ja zumindest abgesagt, ist also halb so schlimm. Ich schreibe WIR, weil jeder von uns schon auf beiden Seiten der WhatsApp-Nachricht oder der SMS stand, jeder hat schon einmal kurzfristig abgesagt und jeder war schon einmal enttäuscht wegen einer Absage. Eigentlich sollten wir wissen, wie sich der andere fühlt.

 

Ja natürlich, es gibt auch manchmal gute Gründe, abzusagen - das ist auch mir klar. Trotzdem wäre es manchmal schön, persönlich mit jemandem zu reden. Beim Schreiben geht einfach sehr viel Kommunikation verloren: man hört die Stimme des anderen, seinen Tonfall nicht und auch seinen Gesichtsausdruck, seine Gestik kann man sich nur vorstellen - man hat nur die Wörter und die können oft ganz unterschiedlich gemeint und auch verstanden werden.

 

Was noch auffällt: Wenn es etwas zu entscheiden gibt - sei es welches Geburtstagsgeschenk man verschenken soll, wer den Junggesellenabschied plant oder einfach nur, in welcher Bar sich alle treffen wollen - kommt man inWhatsApp-Gruppen mit meistens mindestens 10 Mitgliedern selten weiter. Jedem ist es egal, keiner will schuld sein, wenn jemand anders doch das Gegenteil machen wollte und dann sauer ist. Und am Ende wird es dann doch wieder ein Gutschein oder gar kein Geschenk, oder alle bleiben lieber zu Hause, statt Entscheidungen treffen zu müssen. Stellt sich die Frage: Warum reden die Leute nicht einfach miteinander?

 

Ich finde, es geht nicht einmal um die Kommunikation via Handy an sich. Es geht um die Einstellung zu ihr, nur nichts verpassen, nur nichts Verbindliches. Vielleicht müssen wir alle erst herausfinden, wie wir mit WhatsApp und Co umgehen müssen, um andere nicht vor den Kopf zu stoßen. Und vielleicht sollten wir uns öfter trauen, einfach eine Entscheidung zu treffen und abzuwarten, was passiert.

 

Und noch zwei interessante Artikel über soziale Entscheidungsschwäche: 

FAZ - digitale Kontaktpflege

Die Welt - Generation Y

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